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Invalide - Gefallene - Helden. Kriegserfahrungen, Kriegserinnerungen. Der Erste Weltkrieg - Einzelansicht

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Langtext
Veranstaltungsnummer 198916 Kurztext
Semester SS 2022 SWS 2
Teilnehmer 1. Platzvergabe 15 Max. Teilnehmer 2. Platzvergabe 20
Rhythmus keine Übernahme Studienjahr
Credits für IB und SPZ
E-Learning
Hyperlink
Sprache Deutsch
Belegungsfrist Zur Zeit keine Belegung möglich
Abmeldefristen A1 - Belegung ohne Abmeldung    21.02.2022 09:00:00 - 05.04.2022 08:29:59   
Nach Zulassung ist eine Abmeldung nur durch die Dozierenden möglich.
A2 - Belegung mit Abmeldung 2 Wochen    05.04.2022 08:30:00 - 25.04.2022 23:59:59   
Nach Zulassung ist eine Abmeldung auch durch die Teilnehmenden möglich.
A3 - Belegung ohne Abmeldung    26.04.2022 00:00:01 - 22.08.2022 07:59:59   
Nach Zulassung ist eine Abmeldung nur durch die Dozierenden möglich.
Termine Gruppe: 0-Gruppe iCalendar Export für Outlook
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson (Zuständigkeit) Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer 2. Platzvergabe
Einzeltermine anzeigen Mi. 12:00 bis 14:00 w. 13.04.2022 bis
13.07.2022
Fürstengraben 1 - SR 166 Herold-Schmidt, Hedwig Dr. phil. ( verantwortlich ) findet statt  
Gruppe 0-Gruppe:



Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Herold-Schmidt, Hedwig , Dr. phil. verantwortlich
Zuordnung zu Einrichtungen
Seminar für Volkskunde und Kulturgeschichte
Inhalt
Kommentar

 

Bachelor

BA_KG 2 B, BA_KG 4 B

Master

MKG 3 B, MKG 4 B, MWKG

Vor Kurzem jährten sich Ausbruch und Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal; dies gab in den beteiligten Ländern Anlass zu vielfältigen erinnerungskulturellen Initiativen und Projekten sowohl von offizieller Seite als auch aus der Zivilgesellschaft. Traditionell stand die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Deutschland immer im Schatten von Holocaust und Zweiten Weltkrieg, während man ihm etwa in Frankreich und Großbritannien als „Great War“ bzw. „Grande Guerre“ viel mehr Aufmerksamkeit schenkte.

Dabei gilt diese Auseinandersetzung zu Recht als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (George F. Kennan). Die Zahl der Soldaten, die ihr Leben verloren, ist bis heute nicht exakt zu beziffern. Zwischen acht und zehn Millionen toten Kombattanten schwanken die Angaben, allein Deutschland hatte über 6. Mio. Verwundete zu beklagen, viele davon dauerhaft invalide. Die Soldaten an der Front sahen sich einer vorher nicht gekannten Form des totalen Krieges gegenüber. An in Schützengräben erstarrten Fronten wurde unter massivem Einsatz von Menschen und Material vier Jahre lang erbittert gekämpft. In dieser bis dahin unbekannten Form der Kriegsführung war die Technik wichtiger als der Mensch. Granaten, Panzer, Flugzeuge, Giftgas – mithin also bislang unbekannte Waffen –, die ständige Todesgefahr verschärft durch die Unbilden der Witterung und die Mängel der Versorgung sowie die Sorge um die Angehörigen zu Hause: das alles stellte eine ungeheurere physische und psychische Belastung dar, musste bearbeitet und bewältigt werden. Auch die Zivilbevölkerung fern der Kämpfe wurde in vielfältiger Weise in Mitleidenschaft gezogen. An der „Heimatfront“ wurden die Nahrungsmittel rationiert und die Geschlechterverhältnisse verändert: Frauen übernahmen nun häufig früher den Männern vorbehaltene Aufgaben und Funktionen. Krieg wurde wie nie zuvor in der Geschichte zu einer Massenerfahrung, die den einzelnen, seine Familie, aber auch die Gesellschaften der beteiligten Länder insgesamt mit vielen neuen Phänomenen und Herausforderungen konfrontierte.

In allen am Krieg beteiligten Staaten entwickelten sich Formen und Strategien der Erinnerung und des Gedenkens, ja regelrechte Totenkulte, mittels derer die Erfahrung dieses Massensterbens verarbeitet, kollektiv gerechtfertigt, überhöht und mithin in der Erinnerung präsent gehalten werden sollte. Der Tod so vieler sollte „nicht umsonst gewesen“ sein. Doch: Wie wurde der Krieg wahrgenommen und erinnert, wie Todesgefahr und Todeserfahrung in der Rückschau verarbeitet und bewertet? Wie ging die Gesellschaft mit den vielen Kriegsinvaliden um, die in den zwanziger und dreißiger Jahren als eine Form der „lebendigen“ Erinnerung die Straßen der Städte füllten? Wie wurde die Kultur des Trauerns und der Erinnerung im und nach dem Krieg ausgestaltet, wie in den verschiedenen Teilen der Bevölkerung aufgenommen, in welcher Weise – u. a. von der politischen Rechten und den Nationalsozialisten - instrumentalisiert? Wie ging der Krieg in das kollektive Gedächtnis ein bzw. welche unterschiedlichen kollektiven Gedächtnisse entwickelten sich?

Das Seminar wird zentrale Facetten dieser vielschichtigen Thematik für das 20. Jahrhundert in den Blick nehmen. Diese sind zahlreich: Kriegerdenkmale und Mahnmale, Gedenk- und Erinnerungslandschaften auf ehemaligen Schlachtfeldern, der Umgang mit Kriegsgräbern, Gedenkakte und Gedenktage wie der Volkstrauertag, Museen, Sammlungen und Ausstellungen, autobiographische Texte, Literatur, Kunst, Film und Fernsehen, Schlachtfeldtourismus und Living History, digitale Erinnerungsprojekte u. v. m. Insofern werden wir unterschiedliche Gedächtnis-medien ebenso kennen lernen wie wir im Kontext kulturwissenschaftlicher Gedächtnistheorien verschiedenen Gedächtnisstrategien nachgehen und etwa nach Opfer- und Täter- bzw. Sieger- und Verlierergedächtnis fragen.

In den letzten Jahrzehnten wurde und wird der Krieg nicht mehr nur national, sondern auch als europäische bzw. transnationale Erfahrung erinnert. Mit zahlreichen Projekten und Gedenkfeiern auf staatlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene versucht man die Globalität des Krieges und die vielschichtigen Verflechtungen im kulturellen Gedächtnis zu verankern. Auch diesen Aspekten werden wir nachgehen, etwa am Beispiel des Webportals Europeana 1914-1918 oder dem Historial de la Grande Guerre in Péronne oder des „Rings der Erinnerung“, der allen Opfern des Krieges gewidmet ist.

Literatur

Einführende Literatur: Überblickswerke zum Ersten Weltkrieg: Wolfgang Mommsen: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg 1914-1918 (= Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 17), 10. völlig neu bearb. Aufl., Stuttgart 2002. Roger Chickering: Das Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg, München 2005. Wolfgang Kruse: Der Erste Weltkrieg, Darmstadt 2014. Jay Winter (Hrsg.): The Cambridge History of the First World War, 3 Bde., Cambridge 2013. Gerhard Hirschfeld u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, 2. erw. Aufl., Paderborn 2014. Niels Werber u. a. (Hrsg.): Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliches Handbuch, Stuttgart 2014. Gerhard Hirschfeld u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2002. Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkrieges, München 2014. Christopher M. Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, 3. Aufl., München 2013. Gerd Krumeich: Die unbewältigte Niederlage. Das Trauma des Ersten Weltkriegs und die Weimarer Republik, München 2021. Axel Weipert u. a. (Hrsg.): "Maschine zur Brutalisierung der Welt"? Der Erste Weltkrieg – Deutungen und Haltungen 1914 bis heute, Münster 2017. Wolfgang J. Mommsen: Kriegsalltag und Kriegserlebnis im Ersten Weltkrieg, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 59 (2000), S. 125-138. Gerhard Hirschfeld u. a. (Hrsg.): „Keiner fühlt sich hier mehr als Mensch …“, Frankfurt a. M. 1996. Reinhart Koselleck/Michael Jeismann (Hrsg.): Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994. Michaela Stoffels: Kriegerdenkmale als Kulturobjekte. Trauer- und Nationskonzepte in Monumenten der Weimarer Republik, Köln u. a. 2011. Jay M. Winter: Sites of Memory – Sites of Mourning. The Great War in European Cultural History, Cambridge 1997. Jay M. Winter: Remembering War. The Great War between Memory and History in the Twentieth Century, New Haven 2006. Bart Ziino (Hrsg.): Remembering the First World War, London 2015. Barbara Korte (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur, Essen 2008. Bernd Ulrich/Benjamin Ziemann (Hrsg.): Krieg im Frieden. Die umkämpfte Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Quellen und Dokumente, Frankfurt a. M. 1997. Sabine Behrenbeck: Der Kampf um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole 1923-1945, Vierow 1996. Alexandra Kaiser: Von Helden und Opfern. Eine Geschichte des Volkstrauertags, Trier 2010. Astrid Erll: Gedächtnisromane. Literatur über den Ersten Weltkrieg als Medium englischer und deutscher Erinnerungskulturen in den 1920er Jahren, Trier 2003. Werner Frick/Günter Schnitzler (Hrsg.): Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Künste, Freiburg i. Br. u. a. 2017. Michael Hammond: The Great War in Hollywood Memory, 1918-1939, Albany 2019. Susanne Brandt: Vom Kriegsschauplatz zum Gedächtnisraum. Die Westfront 1914-1940, Baden-Baden 2000. Christine Beil: Der ausgestellte Krieg. Präsentationen des Ersten Weltkriegs 1914-1939, Tübingen 2004. David C. Harvey u. a. (Hrsg.): Commemorative Spaces of the First World War. Historical Geographies at the Centenary, Abingdon u. a. 2018. Judith Heß: Europäisierung des Gedenkens? Der Erste Weltkrieg in deutschen und britischen Ausstellungen. Bielefeld 2021. Shanti Sumartojo (Hrsg.): Experiencing 11 November 2018. Commemoration and the First World War Centenary, Abingdon u. a. 2021. Shanti Sumartojo/Ben Wellings (Hrsg.): Nation, Memory and Great War Commemoration. Mobilizing the Past in Europe, Australia and New Zealand, Bern 2014. Élise Julien: Asymmetrie der Erinnerungskulturen: Der Erste Weltkrieg in Frankreich und Deutschland. (DGAP-Analyse, 13). Berlin 2014. https://nbnresolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-55572-2

Bemerkung

Voraussetzung für den Erwerb von Leistungspunkten: Die Modulprüfung besteht in der Abfassung einer Hausarbeit. Für Masterstudierende ist ein Referat im Seminar verpflichtend. Erwartet wird die regelmäßige, aktive Teilnahme.

Bemerkungen: Referate für das Modul „Fachspezifische Schlüsselqualifikationen FSQ“ im Bachelorstudiengang sind möglich.

Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SS 2022 , Aktuelles Semester: WiSe 2022/23

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