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ONLINE: Frege: Über Sinn und Bedeutung - Einzelansicht

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Langtext
Veranstaltungsnummer 179856 Kurztext
Semester WS 2020 SWS 2
Teilnehmer 1. Platzvergabe 20 Max. Teilnehmer 2. Platzvergabe 20
Rhythmus keine Übernahme Studienjahr
Credits für IB und SPZ
E-Learning-Plattform Moodle  
Hyperlink
Sprache Deutsch
Belegungsfrist Standardbelegung Wintersemester ab Mitte August/ Sommersemester ab Mitte Februar
Abmeldefristen A1 - Belegung ohne Abmeldung    31.08.2020 09:00:00 - 21.10.2020 07:59:59   
Nach Zulassung ist eine Abmeldung nur durch den Dozenten möglich.
A2 - Belegung mit Abmeldung 2 Wochen    21.10.2020 08:00:00 - 16.11.2020 23:59:59   
Nach Zulassung ist eine Abmeldung auch durch den Teilnehmer möglich.
A3 - Belegung ohne Abmeldung    17.11.2020 00:00:01 - 22.02.2021 07:59:59    aktuell
Nach Zulassung ist eine Abmeldung nur durch den Dozenten möglich.
Termine Gruppe: 0-Gruppe iCalendar Export für Outlook
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson (Zuständigkeit) Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer 2. Platzvergabe
Einzeltermine anzeigen Di. 16:15 bis 17:45 w. 03.11.2020 bis
09.02.2021
    findet statt  
Gruppe 0-Gruppe:



Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Kienzler, Wolfgang, Privatdozent, Dr. phil. habil. verantwortlich
Module / Prüfungen
Modul Prüfungsnummer Titel VE.Nr. Veranstaltungseinheit
MA-Phi 2.2 Akzent II
P-Nr. : 300062 Akzent II: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder mündliche Prüfung
300065 Akzent II: Seminar 2
MA-Phi 2.2 Akzent II
P-Nr. : 300062 Akzent II: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder mündliche Prüfung
300064 Akzent II: Seminar 1
Modulcode : 300051 Akzent I: Klausur oder Essay zur Vorlesung oder zu einem der beiden Seminare oder zum ersten Teil des Lektürekurses
MA-Phi 2.1 Akzent I
P-Nr. : 300052 Akzent I: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder mündliche Prüfung
300054 Akzent I: Seminar 1
Modulcode : 300051 Akzent I: Klausur oder Essay zur Vorlesung oder zu einem der beiden Seminare oder zum ersten Teil des Lektürekurses
MA-Phi 2.1 Akzent I
P-Nr. : 300052 Akzent I: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder mündliche Prüfung
300055 Akzent I: Seminar 2
MA-Phi 1.4 Geschichte der Philosophie
P-Nr. : 300042 Geschichte der Philosophie: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder Klausur
300044 Geschichte der Philosophie: Seminar m. Abschlussprüfung
MA-Phi 1.4 Geschichte der Philosophie
P-Nr. : 300042 Geschichte der Philosophie: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder Klausur
300045 Geschichte der Philosophie: Seminar o. Abschlussprüfung
MA-Phi 1.2 Theoretische Philosophie
P-Nr. : 300022 Theoretische Philosophie: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder Klausur
300024 Theoretische Philosophie: Seminar m. Abschlussprüfung
MA-Phi 1.2 Theoretische Philosophie
P-Nr. : 300022 Theoretische Philosophie: Abschlussprüfung mit Hausarbeit oder Klausur
300025 Theoretische Philosophie: Seminar o. Abschlussprüfung
LA-Phi 4.2 Schwerpunkt IV
P-Nr. : 40591 Schwerpunkt IV AB-Prüfung (Hausarbeit oder Klausur)
40592 Schwerpunkt IV: Seminar
LA-Phi 4.1 Schwerpunkt III
P-Nr. : 40582 Schwerpunkt III AB-Prüfung Seminar (Hausarbeit oder Klausur)
40584 Schwerpunkt III: Seminar
LA-Phi 3.3 Schwerpunkt II
P-Nr. : 40561 Schwerpunkt II AB-Prüfung (Hausarbeit oder Klausur)
40562 Schwerpunkt II: Seminar
LA-Phi 3.2 Schwerpunkt I
P-Nr. : 40551 Schwerpunkt I AB-Prüfung (Hausarbeit oder Klausur oder Essay)
40553 Schwerpunkt I: Seminar
BA-Phi 4.2 Akzent II
P-Nr. : 12101 Akzent II mündlich
12102 Akzent II Seminar
BA-Phi 4.1 Akzent I
P-Nr. : 12092 Akzent I Hausarbeit
12095 Akzent I Seminar
BA-Phi 3.1 Geschichte der Philosophie
P-Nr. : 12052 Geschichte der Philosophie AB-Prüfung zum Seminar (Hausarbeit oder Klausur)
12057 Geschichte der Philosophie Seminar
BA-Phi 2.2 Theoretische Philosophie
P-Nr. : 12042 Theoretische Philosophie AB-Prüfung zum Seminar (Hausarbeit oder Klausur)
12046 Theoretische Philosophie Seminar
Zuordnung zu Einrichtungen
Institut für Philosophie
Inhalt
Kommentar

Mit seinem Aufsatz "Über Sinn und Bedeutung" führte Gottlob Frege wesentliche Fragestellungen in die moderne Sprachphilosophie ein, ja man kann sagen, dass er mit diesem Text die moderne analytische Philosophie der Sprache überhaupt erst begründet hat: Für (fast) sämtliche sprachlichen Zeichen muss man nämlich, so Freges Grundgedanke, nicht einfach nach der dem Wort zugeordneten Bedeutung fragen; sondern man muss zusätzlich noch den Sinn der Ausdrücke beachten und sorgfältig von ihrer Bedeutung unterscheiden. Es kann daher sinnverschiedene, aber bedeutungsgleiche Wörter geben. Frege gibt als erstes Beispiel die Wörter "Morgenstern" und "Abendstern": beide bezeichnen denselben Planeten, die Venus, und sind daher als bedeutungsgleich anzusehen – sie bezeichnen die Venus aber auf unterschiedliche Weise, oder, wie Frege schreibt, in "unterschiedlichen Gegebenheitsweisen", und daher ist der Sinn beider Ausdrücke verschieden. Die Identität der Bedeutung ist daher mit der Verschiedenheit des Sinnes vereinbar.

Frege möchte danach als Kernthese aufzeigen, dass die Bedeutung eines ganzen Satzes sein Wahrheitswert ist, nämlich der Umstand, dass er wahr, oder dass er falsch ist. Alle wahren Sätze hätten dann dieselbe Bedeutung "das Wahre", und alle falschen Sätze entsprechend die Bedeutung "das Falsche". Der Sinn eines Satzes wäre dann der im Satz ausgedrückte Gedanke.

Frege prüft seine Auffassung im zweiten Teil des Textes anhand verschiedener Arten von Nebensätzen. Dabei entwickelt er eine Theorie der indireken Rede: In indirekter Rede wird nämlich der Gedanke doch wieder die Bedeutung des Satzes. Der Nebensatz in "Kopernikus glaubte, dass alle Planetenbahnen Kreise sind", kann nämlich nicht durch beliebige andere Sätze vom glechen Wahrheitswert (hier: des Falschen) ersetzt werden, sondern nur durch andere Formulierungen desselben Gedankens.

Das wichtigste Mittel der Sprachanalyse ist die Prüfung der "Ersetzbarkeit ohne Änderung des Wahrheitswerts" des Satzes, oder auch der Bedeutung des Eigennamens.

Der Text wird allgemein als der wohl wichtigste Aufsatz der gesamten philosophischen Tradition angesehen. (Alternativkandidaten sind bisweilen Russell's "On Denoting", in dem Russell versucht, eine Alternative zu Freges Vorschlägen zu erarbeiten - und, von ganz anderer Art, Kants Aufsatz "Was ist Aufklärung?")

Das Seminar wird eine schrittweise, sorgfältige Lektüre und Diskussion des Textes vornehmen. Es kann auch als Einführung in die Philosophie der Sprache besucht werden.

Nach derzeitgem Stand (26. September) wird dieses Seminar vermutlich online durchgeführt werden. Es wird dann überwiegend schriftlich durchgeführt, mit wöchentlichen Erläuterungen und zugehörigen Fragen, die ebenfalls wöchentlich zu beantworten sind. Es sind jedoch auch einige (etwa 2 bis 3) Zoom-Sitzungen geplant, die der persönlichen Kommunikation und der Verständigung über den Seminarverlauf dienen sollen.

Themenplan Frege, Über Sinn und Bedeutung: diese Themen werden wir behandeln (nicht alle werden ausführlich drankommen können) 

 

Hinweis: Die Zahlen in Klammern entsprechen den Absätzen des Textes

Geplant ist die Behandlung von Teil I in Woche 1–4, von Teil II in Woche 5–9, von Teil III in Woche 10–12; Woche 13 ist einem Abschluss vorbehalten.

 

I Sinn und Bedeutung von Eigennamen und von ganzen Sätzen

 

1 Drei Auffasungen der Identität: a=a und a=b (1)

 

2 Der Sinn von Eigennamen, und was Eigennamen sind. Freges logischer Begriff des Gegenstandes (2–5)

 

3 Direkte Rede: Wortbilder; ungerade (indirekte) Rede, mit Worten in ungerader Bedeutung (6, 7)

 

4 Vorstellungen sind subjektiv, der Sinn aber nicht (Bukephalos; Fernrohrgleichnis) (8–10)

 

5 Stufen der Verschiedenheit: Vorstellungen (Färbung oder Beleuchtung der Ausdrucksweise), Sinn (Gegebenheitsweise des Gegenstandes), Bedeutung (der Gegenstand slbst) (11–14)

 

6 Ein idealistischer Einwand: gibt es überhaupt Bedeutungen? (der Mond) (15)

 

7 Die Bedeutung ganzer Sätze ist nicht sein Gedanke, sondern der Wahrheitswert (Odysseus) (16–18)

 

8 Wahrheit ist keine Eigenschaft, das Wort „wahr“ hat keinen Inhalt (19)

 

9 Das Kriterium für Bedeutungsgleichheit: Ersetzbarkeit ohne Änderung des Wahrheitswertes (Leibniz) (20, 21)

 

II Die logische Analyse der Nebensätze

 

10 Nebensätze stehen für Dinge (Nennsätze/Nominalsätze: Gedanken sind auch Dinge!), für Eigenschaften (Beisätze, Adjektivsätze), oder Orts- oder Zeitbestimmungen (Adverbsätze) (22, 23)

 

11 Nebensätze mit „N meinte (oder hoffte), dass…“ (Kopernikus; Wellington) (24–26)

 

12 Nebensätze mit „N schloss aus A, dass…“ (Kolumbus) (27)

 

13 N befahl, dass…; Befehle und Bitten (28–31)

 

14 Nebensätze als Eigennamen von Gedanken, Bitten oder Befehlen; oder als Eigennamen von Personen oder Dingen (Kepler) (31–34, Anfang)

 

15 Die Voraussetzung, dass die Eigennamen im Satz Bedeutung haben, ist nicht Teil des im Satz ausgedrückten Gedankens: Test durch Verneinung (34, Rest, 37, Anm.)

 

16 Beisätze (Adjektivsätze) und Adverbsätze enthalten immer etwas Unbestimmtes und drücken daher keinen vollständigen Gedanken aus (35–37)

 

17 Bedingungssätze bestehen aus zwei unvollständigen Teilen, sie drücken Allgemeinheit aus [Für alle x: wenn f(x), dann g(x)] (38–41)

 

18 Kritik an der Konzeption des „hypothetischen Urteils“ (38)

 

19 Nebensätze mit vollständigen Gedanken (Napoleon I, p und q) (42–43)

 

20 Bedingungssätze ohne Allgemeinheit (wenn p, so q; nicht q oder p) (44)

 

21 Komplexere Fälle: mehr Gedanken als Sätze (Napoleon II) (47)

 

22 Aussagen über Meinungen, die Frege für falsch hält (Bebel) (48–49)

 

23 Aussagen, die einen Grund angeben (Eis und Eisen) (50, 51)

 

24 Übersicht über die Arten der Nebensätze (53–56)

 

25 Fazit Freges: Die Bedeutung eines Satzes ist sein Wahrheitswert. Darum kann man in komplexen Satzgefügen Sätze gleichen Wahrheitswertes (und also gleicher Bedeutung) durch einander ersetzen, ohne dass sich der Wahrheitswert (und also die Bedeutung) des gesamten Satzgefüges ändert. Bei verschiedenen Nebensätzen gibt es unterschiedliche Ausnahmen für die Ersetzbarkeit, aber nur deshalb, weil viele Nebensätzen keine selbständige, abgeschlossene Bedeutung haben.

Aussagen der Form a=b sind daher wahr, wenn die Bedeutung von „a“ und von „b“ dieselbe ist; und sie sind informativ, wenn der Sinn, und damit die Gegebenheitsweise von „a“ und von „b“ auf nichtselbstverständliche Weise verschieden ist. Ohne die Unterscheidung von Sinn und Bedeutung wäre dies nicht erklärlich.

(57–58)

 

III Drei Einwände gegen Freges Auffassung

 

26 Russell (On Denoting)

Aussagen, in denen von etwas die Rede ist, was es gar nicht gibt (z.B. „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl“), sind nicht bedeutungslos, sondern falsch. Die Existenz muss nämlich immer mitbehauptet werden.

27 Wittgenstein (Logisch-Philosophische Abhandlung)

Sätze der Form „a=b“ können nur Voraussetzungen über die Bedeutung der Zeichen ausdrücken, aber keine Information enthalten. Die Bedeutungsgleichkheit kann dehalb nicht behauptet werden, weil sie in logisch übersichtlichen Verhältnissen schon vorausgesetzt werden muss.

 

28 Kripke (Naming and Necessity)

Eigennamen haben gar keinen Sinn, sondern sie sind einfach konventioanelle, starre bezeichnungen für Individuen. Die Eigenschaften, von denen Frege immer spricht, könnten ja auch ganz andere sein – und dann wären die Eigennamen und Personen immer noch dieselben (der „Sinn“ aber ganz verschieden).

 

 

Literatur

Gottlob Freges Aufsatz "Über Sinn und Bedeutung" erschien erstmals 1892 in der Zeitschrifft für Philosophie und philosophische Forschung.

Er ist enthalten in der Textsammlung "Funktion, Begriff, Bedeutung", die noch vier weitere klassische Aufsätze Freges enthält und erstmals 1966 von Günter Patzig herausgegeben wurde und zahlreiche Auflagen erlebte. 2002 erschien eine neu bearbeitete Version (als "Funktion - Begriff - Bedeutung") mit einer Einleitung von Mark Textor, die insbesondere auf ÜSB eingeht.

Die Anschaffung dieser Sammlung ist zu empfehlen, da Sie dadurch einfachen Zugriff auch auf die ergänzenden Texte haben. (Im Seminar werden wir nur eher selten diese anderen Texte hinzuzuziehen haben.)

Eine Einzelausgabe des Aufsatzes erschien 2019 bei Reclam in der Reihe "Great Papers Philosophie" (RUB 19582), mit einem Kommentar von Uwe Voigt, der den Text vor allem mit neueren Diskussionen in Beziehung zu setzen versucht.

 

Strukturbaum
Die Veranstaltung wurde 2 mal im Vorlesungsverzeichnis WiSe 2020/21 gefunden:
Hauptseminare  - - - 1
Proseminare  - - - 2

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